Biophilic Design: Warum die Natur zählt

Die heutige Gesellschaft ist urbaner, digitaler undschnelllebiger denn je. Die Schattenseite dieser Entwicklung ist, dass diemenschliche Verbindung zur freien Natur stark abgenommen hat. Als Designer istes unsere Aufgabe – und gleichzeitig unsere große Chance – einen positiven Einfluss darauf zu nehmen, wie Menschen ganz grundsätzlich mit dem Rauminteragieren. Wir erreichen dies, indem wir Räume schaffen, in denen gelebt,gearbeitet und gespielt werden kann und indem wir Elemente aus der natürlichenUmgebung in diese Raumerfahrungen integrieren.

Biophilie steht für die Vorstellung, dass dem Menschen die Neigung angeboren ist, Verbindungen zur Natur und zu anderen Formen des Lebens zu suchen. Der Begriff stammt aus dem Altgriechischen und bedeutet „Liebe zum Leben“. Biophilic Design wendet diese Prinzipien auf die gebaute Umgebung an, indem es die Natur auf einetiefgreifende und fundamentale Weise integriert.

Bei der HD Expo 2015 in Las Vegas hatteich die Ehre, gemeinsam mit Bill Browning, dem Gründer von Terrapin Bright Green, eine Diskussionsrunde um Thema „Die nächste Stufe von Grün:Biophilic Design im Gastgewerbe“ zu moderieren. Für mich persönlich ist BiophilicDesign so aufregend, weil es Nachhaltigkeit ergänzt und transzendiert undunsere Verbindung zur Natur vollständig aufgreift und auf diese Weise unsereSorgen und unseren Stress lindert. Es geht dabei nicht nur um Ästhetik. Es gehtum einen durchdachten Ansatz, der Elemente aus der Natur einbezieht, sei eseine Gebäudehülle oder die Innenausstattung eines Hotels.

© Gensler

Biophilic Design steigert nachweislich das Wohlbefinden am Arbeitsplatz sowie in medizinischen Einrichtungen. Patienten genesen schneller, wenn sie vor dem Fenster eine natürliche Umgebung sehen (statt einer urbanen Umgebung), und diesverkürzt ihren Krankenhausaufenthalt. An Arbeitsplätzen in einer natürlichen Umgebung und mit natürlichem Licht sind die Mitarbeiter gesünder und habenweniger Krankheitstage. Studien belegen, dass Raumgestaltungen, die ökologische Aspekte einbeziehen, Stress minimieren, geistige Erschöpfung reduzieren und dieStimmung aufhellen. Solche Strategien können die Gesundheit, Produktivität und Lernfähigkeit von Mitarbeitern verbessern und wirken sich somit auch positivauf das Geschäftsergebnis aus.

Biophilic Design im Gastgewerbe

Biophilic Design kann auch im Gastgewerbe sehr wirkungsvoll sein. Als kostengünstige Methode zur Verbesserung des Kundenerlebnisses kann es das Gemeinschaftsgefühl stärken und zugleich das Wohlbefinden und die Gesundheit steigern. Tageslichtbeleuchtungen erhöhen diemenschliche Melatonin-Produktion und können einen erholsamen Schlaf bescheren – wodurch z.B. der Aufenthalt in einem Hotel deutlich gewinnt. Wenn bereits dieerste Erfahrung des Gasts dadurch besonders positiv wird, entsteht auch eineengere Kundenbindung zur Hotelmarke sowie ein Erlebnis, das länger im Gedächtnis bleibt. Die ebenfalls erhöhte Produktivität und Zufriedenheit der Hotelangestellten steigert überdies die Wahrscheinlichkeit, dass die Gäste indas Hotel zurückkehren.

Bei Gensler arbeiten wir mit Kunden, die über reine Nachhaltigkeitskonzepte hinausgehen wollen, und erkundenverschiedene Wege zu verbesserten Erlebnissen der Gäste. Wir experimentierenmit neuen Herstellern, um Produkte zu entwickeln, mit denen der Biophilie-Gedanke in unseren Entwürfen umgesetzt werden kann. Dies kanndeutlich weiter gehen als ein Blattmuster auf Metallpaneele oder Stoffelementezu drucken. Unser Gehirn sehnt sich nach der Komplexität, die von der Natur inunser Leben gebracht wird. Die Hirnforschung hat in den letzten Jahrenüberraschende Möglichkeiten entdeckt, wie sich unser Gehirn selbst heilen kann.Die Gehirnstimulation mit positiven Einflüssen wie dem Biophilic Design kannunser neuronales Netzwerk stärken und somit unser Wohlbefinden verbessern.

Wir arbeiten mit verschiedenen Kunden zusammen, bei denen wir die Prinzipien des Biophilic Design in der Innenarchitektur anwenden, um dadurch eine tiefere Beziehung zur Natur zubewirken und um die Natur mit komplexen Mustern nachzubilden. Wir beschäftigenuns auch mit Möglichkeiten, wie wir die vier Muster der Natur des Raumes in unsere Planung einbeziehen können:Aussicht, Refugium, Rätselhaftigkeit und Risiko/Wagnis. Auf diese Weiseentstehen für die Gäste verschiedene Umgebungen und Erfahrungen, die einenatürliche Umgebung nachbilden.

Biophilic Design: Wie geht es weiter?

Indem wir uns unsere angeborenen Neigungen zu Nutze machen, können wir angenehme Gefühle von Geborgenheit, Wachstum und Entwicklung anregen. Studien belegen, dass die Ansichtattraktiver, komplexer fraktaler Muster jenen Teil des Großhirns anregenkönnen, der dafür sorgt, dass Menschen Kontakt suchen und in Verbindungen mitanderen Menschen treten wollen. Durch neue Computer-Technologien und 3D-Druckbekommen wir die Möglichkeit, fraktale Design-Muster zu erstellen, die nochkomplexer sind und wie ein Echo natürlicher Elemente wirken. Durch diese Prinzipien schaffen wir nicht nur eine angenehme Erfahrung, sondern stimulierenauch eine tiefergehende Bindung zu bestimmten Marken – mit einem riesigen Potenzial.

 

Anmerkung der Redaktion: Dieser Artikel ist ursprünglich auf Gensler On Lifestyle erschienen.

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