GreenBiz 2018: Die neue CO2-Wirtschaft und andere Beobachtungen

Bei der diesjährigen GreenBiz-Veranstaltung beteiligte sich unser Chief Sustainability Officer Erin Meezan an einem Panel mit dem Titel “Building a New Carbon Economy: Strategies for Turning Waste Carbon from Liability to Asset.” (Aufbau einer neuen CO2-Wirtschaft: Strategien zur Verwandlung von CO2-Abfall in Wirtschaftsgüter). Dort haben wir uns insbesondere die Frage gestellt, was dies tatsächlich bedeutet und wie Unternehmen mit Hochschulen, Nichtregierungsorganisationen und Regierungen zusammenarbeiten können, um diese neue „Wirtschaft“ aufzubauen.

 

In Ihrem Panel ging es um die „neue CO2-Wirtschaft“. Was bedeutet das?

Meezan: Wenn wir uns mit Kohlendioxid (CO2) in einem wirtschaftlichen Rahmen beschäftigen, betrachten und definieren wir es als Ressource. Dabei denke ich an eine prosperierende Wirtschaft, die CO2 als Rohstoff nutzt und als Ressource verkauft, während sie es zugleich aus der Atmosphäre entfernt und damit die globale Erwärmung reduziert.

 

Können Sie Beispiele für Branchen nennen, die CO2 heute als Ressource nutzen?

Meezan: Es gibt ein wirklich beeindruckendes Unternehmen in Großbritannien, Carbon8 Systems, das CO2-Abfall und Abwärme aus der Zementherstellung sowie Energie aus Abfallverwertungsanlagen oder von Stahlwerksschlacken kombiniert, um künstlichen Kalkstein zu produzieren. Dieses Material wird mit anderen Zutaten (wie etwa Bindemittel und Füllstoffe) vermischt und zu Pellets verarbeitet, die dann bei der Herstellung von Mauersteinen als Zuschlagsstoff verwendet werden.

Mit der Entwicklung von Proof Positive, dem Prototyp der weltweit ersten CO2-negativen Teppichfliese, ist es uns in einem ganz ähnlichen Prozess gelungen, Kohlendioxid zu binden und zu speichern. Durch die Verwendung eines pflanzlichen Ausgangsstoffs bindet die Fliese Kohlendioxid, das andernfalls während der Zersetzung der Pflanze emittiert worden wäre. Genau wie bei Carbon8 ist unsere Teppichfliese durch den Einsatz natürlicher Materialien und geschlossener Produktkreisläufe CO2-negativ – ganz ohne zugekaufte CO2-Kompensationen.

Covestro – ein Polymerhersteller, dessen Leiterin des Bereichs Nachhaltigkeit, Rebecca Lucore, ebenfalls am GreenBiz-Panel teilnahm – sucht nach Wegen, CO2 bei der Produktion von Elastomeren einzusetzen. Hierbei handelt es sich um elastisch verformbare Kunststoffe, die beispielsweise in Schläuchen und Dichtungen zum Einsatz kommen.

We're moving from doing no harm to doing more good. - Interface

Das sind ziemlich faszinierende, aber auch sehr komplexe Konzepte, und ich kann mir vorstellen, dass sie für die Unternehmen jeweils mit hohen Investitionen verbunden sind. Wie kann es gelingen, dass wir Kohlendioxid weniger als „Problem“ sondern als „Ressource“ begreifen und mehr Akteure in die CO2-Wirtschaft einbeziehen?

Meezan: Letztlich müssen wir unser Denken über den Klimawandel verändern. Forschungen zeigen, dass Klimaexperten und junge Menschen glauben, die Erderwärmung umkehren zu können. Wenn wir uns diesen Optimismus zu eigen machen, ist es einfacher, den Klimawandel nicht mehr als unüberwindbares Problem, sondern als Chance für Innovationen zu betrachten.

Die Arizona State University verfügt über einige erstaunliche Nachhaltigkeitsprogramme. Peter Byck, der ebenfalls Teilnehmer meines Panels war, lehrt dort an der School of Sustainability und an der Cronkite School of Journalism und hat einen großartigen Dokumentarfilm mit dem Titel „Carbon Nation“ geschaffen. Dieser Film nähert sich dem Klimawandel auf eine optimistische, nicht- moralisierende Weise.

Ein weiterer Panel-Teilnehmer, Noah Deich, leitet das gemeinnützige Center for Carbon Removal, das sich der schnellen Entwicklung von Lösungen zur Beseitigung von CO2 widmet. Die Einrichtung arbeitet daran, die Zusammenarbeit zwischen Industrie und Politik zu verbessern.

Was wir brauchen, sind eng zusammenarbeitende Menschen, die heutige Lösungen umsetzen und zugleich die Führungskräfte von morgen inspirieren. Durch die Art und Weise, wie wir über den Klimawandel sprechen, aber auch indem wir Ideen teilen und mit gutem Beispiel vorangehen, können wir eine CO2-Wirtschaft etablieren und letztlich auch die globale Erwärmung umkehren.

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