Lassen Sie sich von WELL inspirieren!

Nachdem heute mehr als der Hälfte der Weltbevölkerung in Städten lebt, werden chronische Krankheiten zunehmend zum Problem. Weltweit beklagen 76% der Beschäftigten ein beeinträchtigtes Wohlbefinden, während arbeitsbedingter Stress die USA jährlich rund 255 Mrd. € und Europa rund 550 Mrd. € kostet. Vor diesem Hintergrund versucht der vom International Well Building Institute (IWBI) geschaffene WELL Building Standard, die Gesundheit und das Wohlbefinden der Menschen in unserer gebauten Umwelt ins Zentrum zu rücken.

Oliver Heath Design hat kürzlich mit Interface zusammengearbeitet, um den Leitfaden „Positive Räume schaffen – mit dem Well Building Standard“ zu erstellen – dieser Leitfaden gibt Ihnen einen guten Überblick darüber, worum es bei WELL geht, warum WELL wichtig ist und wie der WELL-Zertifizierungsprozess abläuft.

In diesem Artikel berichten wir über die Anwendung (und die Probleme) des WELL-Standards bei Projekten, die den Zertifizierungsprozess nicht durchlaufen, sowie über die Vorteile, die sich ergeben, wenn WELL während des Entwurfs- und Bauprozesses berücksichtigt wird. Dies ist von besonderer Bedeutung, da der Bekanntheitsgrad des neuen Standards noch immer steigt – das heißt, dass die Kosten allein der Akkreditierung die erzielten Vorteile oft wieder zunichte machen.

Re:Mind Studio – London

Im Jahr 2017 erhielt Oliver Heath Design die Anfrage, das Re:Mind Meditation Studio sowie eine alle Sinne ansprechende Ladenfläche im Zentrum Londons zu entwerfen. Das Ziel: Räume, die durch eine achtsame Gestaltung das körperliche und vor allem das psychologische Wohlbefinden fördern. Zunächst wurden Pläne für Räume voller biophiler Elemente entwickelt, um die Verbindung zur Natur zu stärken – z.B. mithilfe von Materialien, Pflanzen und viel Tageslicht. Forschungsergebnisse haben gezeigt, dass sich selbst kurze Kontakte zur Natur und zu natürlichen Elementen positiv auf die Herzfrequenz, den Blutdruck und das sympathische Nervensystem der Menschen auswirken.

Im Rahmen der Beschäftigung mit dem WELL Building Standard war jedoch klar, dass das Biophilic Design nur ein Teil des Puzzles ist. Die sieben Kategorien des Standards – Luft, Wasser, Nahrungsmittel, Licht, Leistungsfähigkeit, Komfort und geistige Gesundheit – umfassen eine Vielzahl von Entwurfs- und Baukriterien, die dazu beitragen, wirklich gesunde Räume zu schaffen. Es lag auf der Hand, dass der WELL-Standard im gesamten Projekt prinzipiell berücksichtigt werden sollte – trotz der höheren Kosten und trotz der Tatsache, dass eine formelle Akkreditierung nicht möglich war.

Re: Mind Meditation Studio – London before the project

Re: Mind Meditation Studio – London before the project

Re: Mind Meditation Studio – London before the project

Unser Weg mit WELL

Schritt 1: Beauftragung von Büros aus dem Bereich Technische Gebäudeausrüstung (mit viel Erfahrung im Anwenden des WELL Building Standards).

Ingenieure des Bereichs Technische Gebäudeausrüstung (kurz: TGA) spielten eine Schlüsselrolle bei der Anwendung der WELL-Richtlinien – der Standard ist umfassend, und erfahrene Experten an Bord zu haben, war hilfreich.

Sie verfügten über einen Überblick, wie einige der WELL-Kategorien Re:Mind beeinflussen würden:

  • Luft (VOC-arme oder -freie Materialien, Beschichtungen und Oberflächenbehandlungen / Lüftungssysteme mit Filtern zur Reinigung der schlechten Luft Londons)
  • Wasser (Einbau von Filtersystemen zur Entfernung von Verunreinigungen)
  • Licht (hohes Tageslichtniveau und durchgängig gute Lichtverhältnisse)
  • Komfort (sowohl akustisch als auch thermisch
  • geistige Gesundheit (biophile und achtsame Gestaltung)

Schritt 2: Überprüfung von Aspekten der Gesundheit und des Wohlbefindens sowie Entwicklung eines TGA-Konzepts

Nachdem sich der Entwurf konkretisierte und die Auswahl von Materialien, Farben und Oberflächen begann, wurde eine Materialmatrix entwickelt, die es ermöglichte, z.B. den VOC- und Formaldehydgehalt, die Lebensdauer und die CO2-Bilanz jedes ausgewählten Materials sowie seiner Alternativen zu bewerten. Dies erlaubte eine maßgeschneiderte Produktauswahl im Sinne einer besseren Luftqualität und geringeren Umweltbelastung.

Die Lüftungsanlagen waren Teil der auf den WELL-Richtlinien basierenden Planungen. Berücksichtigung fanden neben der Luftqualität auch der thermische Komfort und die Akustik. Niedrige CO2– und Schadstoffwerte und eine verbesserte Belüftung – z.B. durch ein integriertes Filtersystem in allen Klimaanlagen – sollten eine Produktivitätssteigerung von 8-11% ermöglichen.

Schritt 3: Kostenermittlung durch die ausführenden Firmen

An diesem Punkt war eine enge Kooperation zwischen Ingenieuren, Planern und ausführenden Firmen notwendig, um den Auftraggebern so viele Informationen wie möglich über die Planungskosten zu geben. Zur Klärung weiterführender Fragen zur Beleuchtung, Akustik, Lüftung und Heizung sowie zu den Grünwänden wurden Fachberater der ausführenden Firmen hinzugezogen.

Schritt 4: Realisierung

Die Ausführungsphase erforderte erneut die Zusammenarbeit der Fachberater, um die gesamte technische Gebäudeausstattung koordiniert im Studio installieren zu können.

The successful end result of the studio

The successful end result of the studio

The successful end result of the studio

The successful end result of the studio

Was wir schwierig fanden.

Zuallererst: WELL braucht Platz! Die Geräte für Heizungs-, Lüftungs- und Wärmerückgewinnungssysteme sowie die dazugehörigen Filter waren ebenso sperrig wie deren Verrohrung! Außerdem erforderte es viel Planungsaufwand, die Gebäudeausstattung so zu positionieren und den Entwurf so anzupassen, dass die Geräte auf jeden Fall unaufdringlich wirkten. Hinzu kam, dass die Gebäudetechnik nicht nur viel Platz benötigt, sondern auch teuer ist. Selbst wenn Wärmerückgewinnungssysteme äußerst effizient sind und im Lauf der Zeit helfen, Geld zu sparen – anfängliche Investitionen sind unumgänglich.

Stets die richtigen Fragen zu stellen, erwies sich während des gesamten WELL-Prozesses als nicht ganz einfach. Von den Experten erhielten wir zwar immer gute Ratschläge, extrem schwierig hingegen war das proaktive Identifizieren und Artikulieren von Fragen, deren Antworten dazu beitragen können, viel Zeit zu sparen.

Der Unterschied zwischen dem tatsächlichen Standort und den Erwartungen war ein weiterer wichtiger Punkt. Mit WELL im Hinterkopf haben alle Projektbeteiligten die höchsten Ansprüche, etwa an die Wasser- und Luftqualität und ähnliches. Doch an einem Ort wie dem Zentrum Londons gibt es Probleme: z.B. mit dem Wasserdruck, mit der Baugenehmigung der Abluftanlagen sowie mit unvorhersehbaren Aktivitäten – so hatten wir die Freude zu entdecken, dass der Bereich neben den Lufteintrittsöffnungen ein beliebter Rauchertreffpunkt war. Und manche Wasserfiltersysteme benötigen einen Mindestwasserdruck, den man vor Ort unbedingt prüfen sollte, bevor man mit der Planung beginnt.

Was wir großartig fanden!

Während des gesamten Projekts bildete WELL einen starken Bezugspunkt, der dem Team und den Auftraggebern half, eine Vision für den Raum zu entwickeln. Das Ziel von WELL, gesundes Verhalten durch Gestaltung zu fördern, harmonierte zudem sehr gut mit den Zielen der Meditationsbereiche, und die hohe Detailtiefe des WELL-Standards erleichterte Entwurfs- und Materialentscheidungen.

Das Projekt verlief letztlich sehr erfolgreich. Durch die Einbeziehung der wichtigsten Beteiligten – Auftraggeber, Entwurfsteam, Kostenplaner, TGA-Spezialisten und ausführende Firmen – gelang es, einheitliche Ziele zu verfolgen und eine durchgängige Verarbeitungsqualität zu erreichen. Zugleich zeigt der gestalterische Ansatz, dass „gesund“ auch beruhigend, begehrenswert und schön sein kann.


References

1https://www.globalwellnessinstitute.org/global-wellnessinstitute-releases-report-and-survey-on-the-future-of-wellnessat-work

2http://www.globalwellnesssummit.com/images/stories/gwi/ GWI_2016_Future_of_Wellness_at_Work.pdf

3Li, Q. (2010). Effect of Forest Bathing Trips on Human Immune Function. Environmental Health and Preventive Medicine, 15 (1), 9-17.

Kahn, Jr. P.H., B. Friedman, B. Gill, J. Hagman, R.L. Severson, N.G. Freier, E.N. Feldman, S. Carrere, & A. Stolyar (2008). A Plasma Display Window? The Shifting Baseline Problem in a Technology Mediated Natural World. Journal of Environmental Psychology, 28 (1), 192-199

Ulrich, R. S., Simons, R., Losito, B. D., Fiorito, E., Miles, M. A., & Zelson, M. (1991). Stress recovery during exposure to natural and urban environments. Journal of Environmental Psychology, 11, 201–230.

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