Design für mehr Flexibilität

Es steht außer Frage, dass wir in den Monaten anhaltender Isolation und Distanzierung den Wunsch nach sozialer Verbindung verspüren. Viele von uns reizt es, wieder ins Büro zu gehen, um mit den Menschen zu interagieren, die wir gewöhnlich fast jeden Tag sehen. Wir müssen und wollen wieder arbeiten und das bedeutet, dass sich Gebäude schnell anpassen müssen.

Wenn wir wieder im Büro arbeiten, sehen unsere Räume anders aus als zuvor. © 2013 Y.K. Cheung Photography

Aber wie können wir Gesundheit und Wohlbefinden mit einbeziehen? Und inwiefern ist unsere Verantwortung, ein Gefühl der physischen und psychischen Sicherheit in der gebauten Umwelt jetzt und in Zukunft zu schaffen?

Für mich gelten Designer als die ultimativen Problemlöser und ich gehe davon aus, dass sie als Reaktion auf das, was heute passiert, beginnen werden, Flexibilität als Modell für den künftig gebauten Raum verwenden.

Kurz- und langfristige Designstrategien

Derzeit treffen Organisationen kurzfristige Entscheidungen in Bezug auf ihre Räumlichkeiten und schieben die langfristigen vor sich her. Für Designer ist es jedoch wichtig, beide Anforderungen in Einklang zu bringen. Wir werden letztendlich feststellen, dass flexible, anpassungsfähige Lösungen in Zukunft den größten Erfolg bringen.

Flexibilität

Die erste Frage, die Sie sich oder Ihren Kunden stellen, sollte lauten: „Wie planen Sie die Rückkehr ins Büro?“

Große, offene Räume sind bereit für eine Umlagerung zu flexibleren Einrichtungen, insbesondere wenn ein klarer Bedarf an physischer Distanz zwischen Arbeitsräumen besteht. ©2016 Darris Lee Harris Photography

Modularität bei Möbeln und Fußböden ermöglicht Flexibilität, was bei der Gestaltung von Post-COVID-Räumen von entscheidender Bedeutung ist. Photo: Eric Laignel & Weston Colton

Es gibt nicht den einen „Look“, der einen flexiblen Raum definiert, sondern endlos viele Gestaltungsmöglichkeiten. © 2017 Kris Decker & Firewater

Basierend auf einer Reihe von Faktoren – Budget, Standort, Richtlinien der öffentlichen Gesundheit, Geschäftsart, Arbeitskultur, persönlicher Komfort – wird die Rückkehr an den Arbeitsplatz für jeden von uns anders aussehen. Gleichzeitig muss unser Ansatz zur Ausstattung von Arbeits- und Bildungsräumen die bestehende Möglichkeit einer zweiten COVID-19 Welle berücksichtigen. In unserem Bestreben „zurückzugehen“, ist es eventuell auch notwendig uns „zurückzuziehen“.

Kurz gesagt, nichts ist von Dauer.

Das bedeutet, dass aktuelle Raumlösungen einfach, schnell und kostengünstig sein müssen. Flexible Designstrategien können den Vorteil modularer Bodenbeläge nutzen, um aktiv Änderungen vorzunehmen – z. B. selektives Ersetzen von Fliesen, um die physische Distanz zu erleichtern oder Richtungen vorzugeben. In einem schrittweisen Ansatz zur Wiederöffnung werden Flexibilität, Funktionalität sowie die Berücksichtigung von Sicherheit erfordert.

Anpassungsfähigkeit

In Anbetracht der Tatsache, dass kurzfristig Flexibilität erforderlich ist, werden die Auswirkungen von COVID-19 jedoch mehr erfordern. Änderungen, die wir in Bezug auf das Design sehen, treten möglicherweise erst nach einiger Zeit auf und sind in vielen Fällen unvorhersehbar. Aus diesem Grund wird Anpassungsfähigkeit für Gebäude und deren Räumlichkeiten immer wichtiger.

Anpassungsfähigkeit erfordert, dass wesentliche Veränderungen während der Lebensdauer eines Gebäudes als Reaktion auf seine soziale, wirtschaftliche und physische Umgebung berücksichtigt werden. Anpassungsfähigkeit reagiert zudem auch auf die sich ständig ändernden Bedürfnisse der Bewohner und Nutzer von Gebäuden.

Auf diese Weise berücksichtigt die Gestaltung anpassungsfähiger Räume sowohl die Gegenwart als auch die Zukunft. Ähnlich wie in der Natur muss die räumliche Gestaltung nicht perfekt sein, jedoch muss sie sich auf Grundlage neuer Informationen verändern können,also was in der Welt geschieht und wie sich dies auf die Menschen auswirkt, die den Raum nutzen. Bei Anpassungsfähigekeit geht es genau darum, auf diese internen und externen Faktoren eingestellt zu sein.

Flexible, semipermanente Räume ermöglichen nicht nur Distanz, sondern schaffen auch ein Gefühl psychologischer Sicherheit. © Jasper Sanidad

Auf dem Weg mehr Flexibilität

Pandemien haben Architektur und Design immer verändert. Dies gilt auch für COVID-19. Es geschieht zu einer Zeit, in der jeder verbunden ist und sich seiner Auswirkungen auf globaler Ebene bewusst ist. Auch wenn COVID-19 derzeit für Designer im Vordergrund steht, ist es wichtig, dass unsere Lösungen nicht zu starr sind, da sie sonst innerhalb weniger Jahre veraltet aussehen können. Aus diesem Grund wird Flexibilität im Design unverzichtbar – der Fokus auf Wohlbefinden, Sicherheit und Gesundheit ist für diese Zeit angemessen.

Bei der Planung muss festgestellt werden, wo sich eine Organisation im gegenwärtigen Moment befindet, und dann aus ihrer einzigartigen Kultur, ihrem Budget und ihrer Vision aufgebaut werden. Letztendlich müssen widerstandsfähige Räume in der Lage sein, auf jede Realität zu reagieren. Es gibt jedoch momentan keinen universellen Entwurf, wie diese Räume aussehen.

Da wir uns trotz des bestehenden Risikos wieder wohler fühlen, in die Gesellschaft und zur Arbeit zurückzukehren, werden unsere Räume einen neuen Zweck erfüllen. Unser Verständnis von Wohlbefinden vertieft sich und wird gemeinschaftlicher. Der gemeinsam genutzte Arbeitsbereich muss daher einer kritischen Bewertung unterzogen werden, wie er diejenigen, die ihn nutzen, am besten unterstützt – nicht nur hinsichtlich der Produktivität, sondern auch der Sicherheit und des Wohlbefindens. Designer wissen, wie man schöne Räume schafft. Und in einer Post-COVID-Welt werden sie auch gesunde Räume gestalten.

 

Anmerkung des Herausgebers: Dieser Artikel wurde in Zusammenarbeit mit Sonya Lehner verfasst. Titelbild © Macbeth Studio.

 

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