Unmöglich hochgesteckte Ziele erreichen – für einen besseren Planeten

Würde man sich auf die Suche nach dem Unternehmen machen, das in den letzten 25 Jahren die umfassendste Umwelttransformation vollzogen hat, würde man wohl bei Interface landen. Das Unternehmen hat dabei eine Reihe von Erkenntnissen gewonnen, von denen viele in seinem jüngsten Nachhaltigkeitsbericht zusammengefasst sind. Die Lektion, der dabei wohl die größte Bedeutung für den Rest der Welt zukommt, ist die, wie man Ziele setzt. Ray Anderson tat etwas, was kein CEO vor ihm getan hatte. Er untersuchte, was passieren würde, wenn die Industrie ihre Abwärtsspirale von Nehmen, Verwenden und Wegwerfen fortsetzen würde und welche Auswirkungen dies auf Menschen, Land, Artenvielfalt, Ozeane, Klima – kurz, auf unsere Zukunft hätte. Er hielt sich an die Fakten und hatte keine Angst, auszusprechen, dass das Festhalten an diesem „Business as usual“ zu einer desolaten Zukunft auf einem verarmten Planeten führen würde. Anstatt Nachhaltigkeitsprogramme zu initiieren, die weniger Schaden anrichten würden, initiierte er Ziele, die Schäden komplett beseitigen und bereits eingetretene Schäden mit der Zeit rückgängig machen würden.

Viele seiner Geschäftskollegen hielten ihn für einen Träumer ohne Sinn für Realität, der erforderlich ist, um ein börsennotiertes Unternehmen mit Aktionären zu führen, die peinlich genau auf die Quartalsergebnisse achten – sie meinten, es sei nur eine Frage der Zeit, bis seine hochgesteckten Ziele auf dem Boden der Tatsachen aufschlagen würden. Doch in der Tat waren seine Ziele genau das: realitätsnah und bodenständig. Diejenigen, die über ihn urteilten, übersahen etwas Bemerkenswertes, das Ray vorausgesehen hatte: Der schnellste und beste Weg, Kreativität, Fantasie und Innovation hervorzubringen, sind unvernünftige, unmögliche Ziele, für die es keine bekannten Wege gibt. Mit anderen Worten beginnt der Weg zum Durchbruch mit dem einfachen Eingeständnis: „Ich weiß nicht, wie ich das machen soll.“ Sogar seine eigenen Mitarbeiter zweifelten zeitweise an seinen Zielen.

Hier lag das Problem. Interface war ein Industrieunternehmen der alten Generation, das Rohstoffe auf Erdölbasis zum Frühstück, Mittag- und Abendessen aufsaugte. Seine fertigen Produkte hielten kaum mehr als zehn Jahre. Nach dieser Zeit wurden sie herausgerissen, weggeworfen und gemeinsam mit weiteren 2,2 Milliarden Kilo Teppich jährlich auf Mülldeponien verfrachtet, wo sie für die nächsten zehntausend Jahre bleiben.

Unmögliche Ziele agieren als Zwang zur Funktion – sie motivieren Aktivitäten, die einen zwingen, Maßnahmen zu ergreifen und ein Ergebnis zu erzielen. Und genau das ist passiert. Die Geschichte darüber finden Sie hier. Die Mission-Zero-Erfolge von Interface als bemerkenswert zu bezeichnen, ist ein schwaches Kompliment, gemessen an der Teamarbeit, dem Einfallsreichtum und dem Mut, die dieses Unternehmen seit 25 Jahren prägen. Aktuell hat sich das Unternehmen ein neues Ziel gesetzt: Seine globalen Treibhausgasemissionen umzukehren und CO2-positiv zu werden, um Kohlenstoff wieder in die Erde zu bringen, woher er stammt und wo er hingehört. Diese völlig unvernünftige Zielsetzung ist das einzige mögliche Ziel, das für die Menschheit, die Zivilisation und unseren Planeten Sinn macht. Die Zeit ist gekommen. Und Interface nimmt in puncto unvorstellbare Aufgaben erneut eine Vorreiterrolle in der Branche ein. Rays Vermächtnis ist lebendig und immer noch von Bedeutung.

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